Georg C. Wirnharter: Malerei, Grafik und Tonreliefs – Arbeiten aus 30 Jahren

Die umfangreiche Einzelausstellung von Georg C. Wirnharter aus Stadtbergen zeigt Werke aus drei Jahrzehnten. Den detailliert ausgearbeiteten Gemälden stehen locker aufgefasste Zeichnungen gegenüber, sie leben durch ihre sichere Strichführung und sind für den Künstler so wertvoll wie ein gutes Bild. Seine Bilder thematisieren einen fortwährenden Dialog zwischen Kunst, Gesellschaft und Alltag. In den späten 1980er- und frühen 1990er-Jahren löste sich der Künstler von Vorbildern wie Max Beckmann oder Francis Bacon, doch Anklänge an einen karikierenden, überzeichnenden Stil sind durchaus weiterhin bei seinen Figurenbildern vorhanden. Vorwiegend in Augsburg, aber auch zum Beispiel in Berlin, entstanden seine Städtebilder, die er zunächst fotografisch festhielt und dann malerisch umsetzte. Dabei korrespondieren hässliche, banale und gefällige Motive. Diese sind teils mit klaren Konturen und teils mit vom Sfumato geprägten Partien wiedergegeben. Somit erfährt die Idylle immer wieder eine Brechung, eine Störung. Besonders spannend sind Georg C. Wirnharters Bilder von Menschen bei der Betrachtung von Kunstwerken oder beim Besuch eines Museums: Der Dialog, den er als Maler ständig mit der Kunst führt und zu dem er als Kunsterzieher seine Schüler anregt, findet hier seinen Widerhall. Die meisten Motive aus Georg C. Wirnharters Werk jedoch stammen aus seiner unmittelbaren Umgebung und basieren auf der direkten Anschauung: das Atelier, der Blick aus dem Fenster, der Garten.
Ein Thema, das in allen Schaffensphasen des Künstlers einen großen Raum einnimmt, ist die Darstellung seines Ateliers. Arbeitsutensilien, Bilder und Skizzen, Bücher und Kunstkataloge, Objekte für Stillleben und schließlich das Aktmodell werden hier in Szene gesetzt. Die Auseinandersetzung mit dem menschlichen Körper stellt für den Künstler die interessanteste Aufgabe dar. Verschiedenste Körperhaltungen in unterschiedlichen Raum- und Lichtsituationen hält er beim wöchentlichen Aktzeichnen fest, die Einzigartigkeit der menschlichen Haut mit ihren Tönungen und Lichtreflexen beschäftigt ihn bei seiner Aktmalerei, die während stundenlanger Sitzungen im Atelier entsteht.
Eine Besonderheit in der Ausstellung bildet eine kleine Auswahl von Arbeiten aus einem großen Werkkomplex, der zu Michel Houellebecqs Roman Elementarteilchen entstanden ist. Mit den hier erstmals in dieser Form gezeigten Radierungen, Gemälden und Tonreliefs schließt sich der Kreis: Zunächst einmal steht wiederum eine sozialkritische Thematik im Mittelpunkt. Darüber hinaus spiegelt die Werkgruppe die Gratwanderung zwischen direkter Anschauung und Fotorealismus wider, ein Balanceakt, der sich durch Georg C. Wirnharters Schaffen der letzten Jahrzehnte zieht.

(Text: ©Schwäbische Galerie im Volkskundemuseum Oberschönenfeld, 2016)